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Qualitätsstandards für Rezyklate – Voraussetzungen für einen verlässlichen Einsatz in der Kunststoffindustrie

Der Einsatz von Kunststoffrezyklaten ist ein wesentlicher Baustein einer funktionierenden Kreislaufwirtschaft. Gleichzeitig stellt die schwankende Zusammensetzung von Kunststoffabfällen hohe Anforderungen an Qualitätssicherung, Materialcharakterisierung und Rückverfolgbarkeit. Anders als Neuware weisen Rezyklate abhängig von Herkunft, Nutzungsgeschichte, Sammlung, Sortierung und Aufbereitung teilweise erhebliche Schwankungen hinsichtlich Polymerzusammensetzung, Kontamination, Feuchte, Molekulargewicht und mechanischer Eigenschaften auf. Voraussetzung für einen zuverlässigen industriellen Einsatz ist daher ein ganzheitliches Qualitätsmanagement, das Materialeigenschaften, Reinheit, Prüfverfahren, Datenqualität und Rückverfolgbarkeit miteinander verbindet. Der Beitrag untersucht die wesentlichen Qualitätsanforderungen, relevante Normen und Prüfverfahren sowie Herausforderungen entlang der Wertschöpfungskette. Darüber hinaus werden praxisnahe Ansätze und aktuelle regulatorische Entwicklungen betrachtet.

Warum sind Qualitätsstandards für Kunststoffrezyklate notwendig?

Die Kunststoffindustrie befindet sich im Übergang von einer überwiegend linearen zu einer zunehmend zirkulären Wirtschaftsweise. Rezyklate können Primärkunststoffe substituieren, Ressourcen schonen und dazu beitragen, den Verbrauch fossiler Rohstoffe zu reduzieren. Ihre industrielle Nutzung setzt jedoch voraus, dass sekundäre Rohstoffe eine ausreichend definierte und reproduzierbare Qualität besitzen. Die zunehmenden regulatorischen Rezyklatquoten verstärken diesen Bedarf: Quoten allein reichen nicht aus, wenn die eingesetzten Rezyklate nicht in geeigneter Qualität verfügbar und ihre Herkunft und ihr Rezyklatanteil belastbar nachweisbar sind.

Die zentrale Herausforderung liegt in der Heterogenität der Ausgangsmaterialien. Kunststoffabfälle unterscheiden sich beispielsweise hinsichtlich Polymerart, Additivierung, Farbe, Füllstoffgehalt, vorheriger Anwendung und Alterungszustand. Zusätzlich können Fremdpolymere, Metalle, Papier, Klebstoffe oder organische Verunreinigungen enthalten sein. Bereits geringe Mengen bestimmter Fremdstoffe können die Verarbeitbarkeit, Optik, mechanischen Eigenschaften oder Langzeitbeständigkeit eines Rezyklats beeinträchtigen.

Rezyklatqualität ist daher nicht allein über einen einzelnen Kennwert zu definieren. Entscheidend sind vielmehr Polymeridentität, Reinheit, physikalische und mechanische Eigenschaften, Konstanz zwischen Chargen sowie eine nachvollziehbare Dokumentation. Ein Rezyklat ist für die industrielle Anwendung dann geeignet, wenn seine Eigenschaften bekannt, spezifiziert, überprüfbar und innerhalb definierter Toleranzen reproduzierbar sind.
 

Welche Anforderungen gelten für Qualität, Reinheit und Materialkonstanz?

Eine grundlegende Voraussetzung ist die eindeutige Identifikation des Polymers. Bei sortenreinen Stoffströmen können beispielsweise PE, PP, PET, PVC, PS oder ABS gezielt aufbereitet werden. Fremdpolymere können jedoch bereits in geringen Konzentrationen die Eigenschaften des Materials verändern. Deshalb muss neben der Polymeridentität auch die stoffliche Reinheit berücksichtigt werden.

Zur Qualitätsbewertung gehören insbesondere Feuchte, Dichte, Schmelzflussverhalten, thermische Eigenschaften und gegebenenfalls Asche- oder Füllstoffgehalt. Die Schmelz-Massefließrate (MFR) beziehungsweise rheologische Kennwerte geben wichtige Hinweise auf die Verarbeitbarkeit. Abweichungen können unter anderem durch unterschiedliche Molekulargewichte oder thermische Vorschädigungen entstehen. Bei PET ist beispielsweise die intrinsische Viskosität ein wichtiger Parameter.

Auch mechanische Kennwerte wie Zugfestigkeit, Bruchdehnung, Elastizitätsmodul und Schlagzähigkeit sind für die Beurteilung der Anwendungseignung relevant. Dabei muss ein Rezyklat nicht zwingend identische Eigenschaften wie die entsprechende Neuware besitzen. Entscheidend ist vielmehr, ob es die Anforderungen der konkreten Anwendung zuverlässig erfüllt.

Besondere Bedeutung besitzt die Kontrolle von Kontaminationen. Kunststoffabfälle können infolge ihrer vorherigen Nutzung beispielsweise Öle, Reinigungsmittel, Druckfarben, Klebstoffe oder andere organische Stoffe enthalten. Für Anwendungen mit Lebensmittelkontakt gelten zusätzliche gesetzliche Anforderungen. 

Neben der Einzelqualität ist die Konstanz zwischen verschiedenen Chargen entscheidend. Ein Material, das zwar einzelne hochwertige Chargen liefert, aber starke Schwankungen aufweist, kann für automatisierte industrielle Prozesse problematisch sein. Ziel der Qualitätssicherung muss deshalb eine möglichst geringe Streuung relevanter Materialeigenschaften sein.
 

Welche Normen, Standards und Prüfverfahren sind für Kunststoffrezyklate relevant? 

Für die Qualitätssicherung von Kunststoffrezyklaten existiert inzwischen ein umfangreiches europäisches Normensystem. Eine zentrale Rolle spielt die Normenfamilie EN 153xx.

DIN EN 15343 beschreibt die Rückverfolgbarkeit bei der Kunststoffverwertung sowie die Bewertung von Konformität und Rezyklatgehalt. Damit schafft sie eine Grundlage für die nachvollziehbare Dokumentation von Materialströmen. Die EN 15343 befindet sich derzeit in Überarbeitung, um den veränderten regulatorischen und technischen Anforderungen an Rückverfolgbarkeit, Konformitätsbewertung und Rezyklatgehaltsbestimmung Rechnung zu tragen. DIN EN 15347-1 bis -6 behandelt die Charakterisierung sortierter Kunststoffabfälle und definiert hierfür erforderliche beziehungsweise optionale Kenndaten.

Für die Probenahme ist CEN/TS 16010 von besonderer Bedeutung. Bei heterogenen Abfall- und Rezyklatströmen entscheidet die Qualität der Probenahme wesentlich darüber, ob ein Laborergebnis tatsächlich repräsentativ für eine gesamte Charge ist. Eine präzise Analyse einer nicht repräsentativen Probe kann andernfalls zu einer falschen Qualitätsbewertung führen.

Für einzelne Polymere bestehen spezifische Charakterisierungsnormen, unter anderem DIN EN 15344 für PE, DIN EN 15345 für PP, DIN EN 15346 für PVC und DIN EN 15348 für PET. Ergänzend behandelt DIN EN 15342 Polystyrol-Rezyklate.

Eine wichtige Erweiterung stellt DIN EN 18067 zur Charakterisierung von ABS-Rezyklaten dar. ABS wird aufgrund seiner Kombination aus Steifigkeit, Zähigkeit und Oberflächenqualität häufig für technische Anwendungen eingesetzt. Unterschiede hinsichtlich Polymerzusammensetzung, Kautschukanteil, Additivierung oder thermischer Vorgeschichte können die Eigenschaften des Rezyklats beeinflussen. Die Norm schafft hierfür einen spezifischen Rahmen zur standardisierten Charakterisierung und erleichtert damit die Definition reproduzierbarer Materialspezifikationen.

Eine weitere wichtige Entwicklung ist DIN EN 18065. Sie klassifiziert Kunststoffrezyklate anhand von Datenqualitätslevels für deren Verwendung sowie für den physischen und digitalen Handel. Damit erweitert sie den Qualitätsbegriff: Nicht nur das Material selbst, sondern auch die Qualität der verfügbaren Informationen wird relevant. Die Norm berücksichtigt unter anderem Angaben zur Bestimmung des Rezyklatgehalts und Aspekte des Digitalen Produktpasses.

In der Praxis sollte die Prüfung aus mehreren Ebenen bestehen. Dazu gehören Wareneingangskontrollen, regelmäßige Laboranalysen und vertiefte Untersuchungen in definierten Intervallen. Typische Verfahren sind MFR-Messungen, Dichte- und Feuchtebestimmungen, mechanische Prüfungen, DSC, FTIR-Spektroskopie, Thermogravimetrie und mikroskopische Untersuchungen. Bei anspruchsvollen Anwendungen können chromatographische oder spektrometrische Verfahren zur Bestimmung spezifischer Kontaminanten erforderlich sein.
 

Wie lässt sich die Rezyklatqualität entlang der Wertschöpfungskette sichern? 

Rezyklatqualität entsteht nicht erst im Recyclingbetrieb, sondern entlang der gesamten Wertschöpfungskette. Bereits Sammlung und Sortierung beeinflussen die spätere Materialqualität. Post-Industrial-Rezyklate stammen häufig aus kontrollierten Produktionsprozessen und sind deshalb vergleichsweise homogen. Post-Consumer-Rezyklate weisen dagegen aufgrund unterschiedlicher Anwendungen, Alterungszustände und Kontaminationspfade eine höhere Variabilität auf.

Die Sortierung ist ein weiterer kritischer Prozess. Moderne sensorbasierte Verfahren, beispielsweise Nahinfrarotspektroskopie, ermöglichen eine automatisierte Erkennung verschiedener Polymerarten. Dennoch bleiben Materialqualität und Zusammensetzung des Eingangsstroms entscheidend.

Im eigentlichen Recyclingprozess beeinflussen Waschung, Trocknung, Extrusion, Filtration, Entgasung und Compoundierung die Eigenschaften des Endprodukts. Eine unzureichende Trocknung kann insbesondere bei hydrolyseempfindlichen Polymeren zu Qualitätseinbußen führen. Wiederholte thermische Belastungen können Polymerketten schädigen; geeignete Stabilisatoren oder Compoundierungsstrategien können diesen Effekten entgegenwirken.

Ein wesentliches Problem besteht außerdem in uneinheitlichen Lieferantenspezifikationen. Rezyklate mit gleicher Handelsbezeichnung können sich hinsichtlich Reinheit, Additivierung und Verarbeitungsverhalten deutlich unterscheiden. Deshalb sollten Lieferverträge konkrete Grenzwerte, Prüfmethoden und Toleranzen enthalten.
 

Wie gelingt der zuverlässige Einsatz von Kunststoffrezyklaten in der Praxis? 

Ein zuverlässiges Qualitätsmanagement sollte zunächst eine anwendungsspezifische Materialspezifikation definieren. Anstelle allgemeiner Aussagen wie „hochwertiges Rezyklat“ sollten konkrete Grenzwerte für MFR, Dichte, Feuchte, Fremdpolymergehalt, Farbe und mechanische Eigenschaften festgelegt werden.

Darauf aufbauend empfiehlt sich ein risikobasiertes Prüfkonzept. Kritische Eigenschaften sollten bei jeder Charge überprüft werden, während umfangreichere Analysen in festgelegten Intervallen durchgeführt werden können. Statistische Prozesskontrolle ermöglicht es, Trends und zunehmende Schwankungen frühzeitig zu erkennen.

Ebenso wichtig ist die repräsentative Probenahme. Die Vorgaben von CEN/TS 16010 bieten hierfür eine wichtige Grundlage. Ergänzend sollte jede Charge eindeutig identifizierbar sein. Informationen zu Lieferant, Eingangsstoffstrom, Recyclingprozess, Produktionszeitraum und Prüfresultaten müssen miteinander verknüpft werden.

Hier gewinnt EN 18065 besondere Bedeutung. Die Datenqualität sollte als eigenständiges Qualitätsmerkmal des Rezyklats betrachtet werden. Ein digitaler Materialdatensatz kann neben klassischen Werkstoffkennwerten beispielsweise Polymerart, Herkunft, Rezyklattyp, Rezyklatanteil, Recyclingverfahren, Charge, Prüfdatum und angewandte Prüfmethoden enthalten. Dadurch lassen sich Lieferantenmaterialien besser vergleichen und Beschaffungsentscheidungen objektiver gestalten.

Auch die Produktentwicklung muss frühzeitig einbezogen werden. Konstruktion, Werkstoffauswahl und Prozessparameter sollten auf die Eigenschaften des eingesetzten Rezyklats abgestimmt werden. In vielen Fällen kann ein kontrollierter Blend aus Rezyklat und Neuware eine technisch sinnvolle Lösung darstellen.

Darüber hinaus sind enge Kooperationen zwischen Recyclingunternehmen, Compoundierbetrieben und verarbeitenden Unternehmen erforderlich. Gemeinsame Spezifikationen, Lieferantenaudits und abgestimmte Prüfpläne reduzieren Informationsverluste und erhöhen die Prozesssicherheit.
 

Welche regulatorischen Entwicklungen prägen den künftigen Rezyklateinsatz?

Die regulatorische Bedeutung von Rezyklaten nimmt deutlich zu. Die europäische Verpackungsverordnung (EU) 2025/40 sieht ab 2030 verbindliche Mindestanteile an recyceltem Material für bestimmte Kunststoffverpackungen vor. Je nach Verpackungskategorie gelten beispielsweise Mindestanteile von 30 % bei bestimmten PET-Verpackungen, 30 % bei Einweggetränkeflaschen und 35 % bei anderen Kunststoffverpackungen. Für 2040 steigen die Anforderungen weiter an.

Eine vergleichbare Entwicklung ist inzwischen auch für die Automobilindustrie relevant. Die EU-Altfahrzeugverordnung (EU) 2026/1738 über Anforderungen an die Kreislauffähigkeit von Fahrzeugen und die Bewirtschaftung von Altfahrzeugen führt verbindliche Vorgaben für den Einsatz recycelter Kunststoffe in Neufahrzeugen ein.

Für neue Fahrzeugtypen, die ab dem 1. September 2032 typgenehmigt werden, muss der Kunststoffanteil mindestens 15 Gewichtsprozent recycelten Kunststoff aus Post-Consumer-Abfällen enthalten. Für ab dem 1. September 2036 typgenehmigte neue Fahrzeugtypen steigt dieser Anteil auf mindestens 25 Gewichtsprozent. Zudem müssen mindestens 20 % des jeweiligen Rezyklat-Ziels durch Kunststoffe aus dem Recycling von Altfahrzeugen beziehungsweise von während der Nutzungsphase aus Fahrzeugen ausgebauten Teilen und Komponenten erreicht werden.

Diese Vorgaben haben unmittelbare Auswirkungen auf die Qualitätsanforderungen an Kunststoffrezyklate. Insbesondere für technische Anwendungen im Fahrzeugbau müssen Rezyklate nicht nur in ausreichender Menge verfügbar sein, sondern definierte und reproduzierbare Materialeigenschaften aufweisen. Gleichzeitig gewinnt die Rückverfolgbarkeit an Bedeutung, da der Rezyklatanteil und insbesondere der Anteil aus Altfahrzeugen künftig berechnet und verifiziert werden müssen. Die Kommission soll hierfür bis August 2028 eine entsprechende Berechnungs- und Verifizierungsmethodik festlegen.

Damit wird die Qualität von Rezyklaten zunehmend zu einer strategischen Voraussetzung für die Erfüllung regulatorischer Anforderungen. Besonders relevant sind dabei Materialqualität, Datenqualität und Herkunftsnachweis. Die EN 18065 bietet mit ihren Datenqualitätslevels einen geeigneten Ansatz, um die Informationsqualität von Rezyklaten zu strukturieren und ihre Verwendung sowie den digitalen Handel zu unterstützen.

Zukünftig müssen insbesondere chemische Kontaminationen, einheitliche Prüfmethoden und die Vergleichbarkeit von Lieferantendaten stärker berücksichtigt werden. Digitale Produktpässe und standardisierte Datensätze können die Rückverfolgbarkeit verbessern. Gleichzeitig muss bereits bei der Produktentwicklung stärker auf Design for Recycling geachtet werden, damit aus Fahrzeugen, Verpackungen und anderen Kunststoffprodukten am Ende ihrer Nutzungsphase möglichst hochwertige Rezyklate gewonnen werden können.

Die neuen regulatorischen Anforderungen zeigen damit deutlich: Die zukünftige Herausforderung besteht nicht allein darin, höhere Rezyklatanteile zu erreichen. Entscheidend ist vielmehr, ausreichend große Mengen qualitativ geeigneter, nachweisbarer und konstant verfügbarer Rezyklate bereitzustellen. Nur durch die Verbindung von standardisierter Materialprüfung, zuverlässiger Prozesskontrolle, Rückverfolgbarkeit und belastbarer Datenqualität kann der steigende Bedarf der Industrie erfüllt werden.
 

Fazit

Der zuverlässige Einsatz von Kunststoffrezyklaten ist weniger eine Frage ihrer grundsätzlichen technischen Eignung als der systematischen Beherrschung ihrer material- und herkunftsbedingten Variabilität. Rezyklate können in zahlreichen Anwendungen technisch geeignete Alternativen zu Primärkunststoffen darstellen. Voraussetzung sind jedoch definierte Qualitätsanforderungen, geeignete Prüfverfahren, repräsentative Probenahmen, konstante Prozesse und eine verlässliche Rückverfolgbarkeit.

Die Normen EN 15343, EN 15347 und CEN/TS 16010 sowie die polymerbezogenen Normen EN 15342 bis EN 15348 schaffen hierfür wichtige Grundlagen. EN 18067 erweitert den Rahmen auf ABS-Rezyklate, während EN 18065 die Qualität und Standardisierung der zugehörigen Materialdaten in den Mittelpunkt stellt. Damit entwickelt sich das Qualitätsverständnis von einer rein werkstofflichen Betrachtung zu einem integrierten System aus Material-, Prozess- und Informationsqualität.

Die zunehmenden regulatorischen Anforderungen machen diesen Wandel erforderlich. Für die Kunststoffindustrie wird daher entscheidend sein, Rezyklate nicht mehr als schwer kalkulierbare Ersatzstoffe, sondern als standardisierte und qualifizierte Sekundärrohstoffe zu behandeln. Nur wenn Materialqualität, Datenqualität, Rückverfolgbarkeit und regulatorische Konformität zusammengeführt werden, kann der Einsatz von Rezyklaten langfristig zuverlässig, wirtschaftlich und im industriellen Maßstab erfolgen.

Häufige Fragen zu Qualitätsstandards für Kunststoffrezyklate

Wann ist ein Kunststoffrezyklat für den industriellen Einsatz geeignet?

Ein Kunststoffrezyklat ist geeignet, wenn seine Polymeridentität, Reinheit sowie seine physikalischen und mechanischen Eigenschaften bekannt und überprüfbar sind. Entscheidend ist nicht, dass es dieselben Eigenschaften wie Neuware besitzt. Es muss die Anforderungen der jeweiligen Anwendung innerhalb definierter Toleranzen zuverlässig und reproduzierbar erfüllen.

Welche Eigenschaften sollten bei Kunststoffrezyklaten geprüft werden?

Zu den wichtigen Prüfgrößen gehören Feuchte, Dichte, Schmelze-Massefließrate, thermische Eigenschaften sowie gegebenenfalls Asche- und Füllstoffgehalt. Je nach Anwendung sind außerdem Zugfestigkeit, Bruchdehnung, Elastizitätsmodul, Schlagzähigkeit und Kontaminationen relevant. Bei PET spielt darüber hinaus die intrinsische Viskosität eine wichtige Rolle.

Welche Normen sind für die Qualitätssicherung von Kunststoffrezyklaten relevant?

DIN EN 15343 behandelt Rückverfolgbarkeit, Konformitätsbewertung und Rezyklatgehalt. Die Reihe DIN EN 15347 beschreibt die Charakterisierung sortierter Kunststoffabfälle. Polymerbezogene Normen bestehen unter anderem für PE (DIN EN 15344), PP (DIN EN 15345), PVC (DIN EN 15346, PET (DIN EN 15348), PS (DIN EN 15342) und ABS (DIN EN 18067). DIN EN 18065 ergänzt diesen Rahmen um Datenqualitätslevels und Anforderungen an die zugehörigen Materialinformationen.

Wie lässt sich eine gleichbleibende Rezyklatqualität sicherstellen?

Eine gleichbleibende Qualität erfordert anwendungsspezifische Materialspezifikationen, repräsentative Probenahmen und ein risikobasiertes Prüfkonzept. Kritische Eigenschaften sollten bei jeder Charge kontrolliert werden. Regelmäßige Laboranalysen, statistische Prozesskontrolle, eindeutige Chargenkennzeichnungen und abgestimmte Prüfpläne helfen dabei, Schwankungen frühzeitig zu erkennen und die Rückverfolgbarkeit sicherzustellen.

Warum ist die Datenqualität bei Kunststoffrezyklaten wichtig?

Belastbare Materialdaten ermöglichen es, Rezyklate verschiedener Lieferunternehmen objektiv zu vergleichen und ihre Eignung für konkrete Anwendungen zu beurteilen. Ein Materialdatensatz kann unter anderem Polymerart, Herkunft, Rezyklattyp, Rezyklatanteil, Recyclingverfahren, Charge, Prüfdatum und Prüfmethoden enthalten. Damit wird die Informationsqualität zu einem eigenständigen Qualitätsmerkmal des Rezyklats.

Über den Autor:

Frank Stammer

Frank Stammer ist Leiter Regulatory Affairs, Normung und Kreislaufwirtschaft bei TecPart, dem Verband der Hersteller technischer Kunststoff-Produkte. Darüber hinaus ist er Convenor von CEN/TC 249/WG 11 „Plastics recycling“ sowie von CEN/TC 301/WG 17 „Circularity and sustainability of materials in road vehicles“.
 

Über TecPart – Verband Technische Kunststoff-Produkte e. V.

TecPart vertritt die Interessen der Hersteller technischer Kunststoff-Produkte gegenüber Politik, Öffentlichkeit und Fachgremien auf nationaler und europäischer Ebene. Die Mitgliedsunternehmen sind hochspezialisiert in Spritzguss, additiver Fertigung, Compoundierung, Thermoformen und Kunststoffrecycling. Sie beliefern zentrale Branchen wie Automobilindustrie, Elektro- und Elektronikindustrie, Maschinenbau und Medizintechnik. Mit rund 305.000 Beschäftigten und einem Jahresumsatz von etwa 69 Milliarden Euro zählt die kunststoffverarbeitende Industrie zu den bedeutenden Industriezweigen Deutschlands. Das von TecPart vertretene Segment der technischen Kunststoff-Produkte steht für rund 92.000 Beschäftigte und 19 Milliarden Euro Umsatz. 
Weitere Informationen: www.tecpart.de 

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