Grundlagen des Produktionscontrollings: Effizienz steigern mit KI-Unterstützung

Ein effizientes Produktionscontrolling ist das Rückgrat einer wettbewerbsfähigen Fertigung. Durch den gezielten Einsatz von Kennzahlen lassen sich Prozesse steuern, Kosten senken und Reaktionsgeschwindigkeiten erhöhen. Mit Künstlicher Intelligenz erweitern sich die Möglichkeiten: Datenmengen lassen sich schneller auswerten, Muster werden automatisch erkannt und Optimierungspotenziale in Echtzeit aufgezeigt. Dieser Artikel gibt einen Überblick über die Grundlagen des Produktionscontrollings und zeigt, wie die Schnittstelle zur KI neue Möglichkeiten für Transparenz, Effizienz und Agilität in der Produktion eröffnet.

Quelle: unsplash.com/Homa Appliances

Moderne Industrieautomation mit Roboterarm in der Fertigungslinie

Aufgaben und Ziele des Produktionscontrollings

Das Produktionscontrolling bildet das Fundament für eine effiziente und wettbewerbsfähige Fertigung. Es sorgt dafür, dass Produktionsprozesse kostenoptimiert, termingerecht und in gleichbleibender Qualität ablaufen. Durch die Bereitstellung relevanter Kennzahlen ermöglicht es eine faktenbasierte Entscheidungsfindung und treibt den kontinuierlichen Verbesserungsprozess (KVP) voran.

Dabei geht es nicht nur um reine Zahlenauswertung – ein modernes Produktionscontrolling integriert auch Aspekte der Mitarbeitermotivation und fördert eine datenorientierte Unternehmenskultur.

Zu den zentralen Zielen gehören die Schaffung von Transparenz über Prozesse und Ressourcen, die Steuerung durch objektive Kennzahlen, die Optimierung von Wertschöpfungsprozessen sowie die Sicherstellung von Agilität gegenüber sich wandelnden Marktanforderungen.

Quelle: solunio.com_Alupress AG

Visual Shop Floor im Einsatz

Kennzahlen als Steuerungsinstrument

Kennzahlen dienen als messbare Größen, die den Zustand und Fortschritt von Produktionsprozessen abbilden. Im Produktionscontrolling haben sich vier Hauptkategorien bewährt: Produktivitätskennzahlen, Logistikkennzahlen, Qualitätskennzahlen und Mitarbeiterkennzahlen.

Die eigentliche Kunst besteht jedoch nicht in der isolierten Betrachtung einzelner Kennzahlen, sondern in ihrer sinnvollen Verknüpfung zu einem logischen System, das Führungskräften und Mitarbeitenden gleichermaßen Orientierung bietet.
Ein Praxis-Tipp lautet hier: Weniger ist mehr. Ein kompaktes, gut verständliches Set an Kernkennzahlen wirkt deutlich stärker als ein überfrachtetes System.

Die Entwicklung eines wirksamen Kennzahlensystems folgt einem strukturierten Prozess. Am Anfang steht die klare Definition der Ziele - was genau soll verbessert oder gesteuert werden? Darauf folgt die Auswahl passender Kennzahlen, die tatsächlich Aussagekraft für die jeweilige Zielsetzung besitzen. Besonderes Augenmerk gilt der Datenquelle und Erfassungsmethode, wobei automatisierte Schnittstellen manuelle Fehlerquellen minimieren.

Die Visualisierung der Kennzahlen durch Dashboards und Shopfloor-Boards ermöglicht eine schnelle Erfassung der Informationen. Entscheidend ist schließlich die Integration in die täglichen Arbeitsprozesse – Kennzahlen müssen zum selbstverständlichen Bestandteil des operativen Handelns werden. 

Schnittstelle KI – Mehrwert durch intelligente Auswertung

Künstliche Intelligenz erweitert die Möglichkeiten des Produktionscontrollings in bedeutendem Maße. Durch automatisierte Mustererkennung identifiziert KI Abweichungen frühzeitig, noch bevor sie zu kritischen Störungen führen. Predictive-Analytics-Verfahren ermöglichen präzise Prognosen zu möglichen Engpässen oder Qualitätsproblemen. Moderne Algorithmen gehen sogar noch einen Schritt weiter und generieren direkt konkrete Optimierungsvorschläge für Prozessverbesserungen, wie Personal- und Maschineneinsatzplanungen.
Echtzeit-Dashboards, durch KI-gestützte Systeme laufend aktualisiert, lenken die Aufmerksamkeit auf die wirklich kritischen Bereiche.

Ein anschauliches Beispiel aus der Praxis zeigt das Potenzial dieser Technologien: Ein KI-System analysiert kontinuierlich Maschinendaten und erkennt anhand charakteristischer Muster einen bevorstehenden Lagerengpass. Statt diese Information nur zu melden, schlägt es gleichzeitig eine Anpassung der Fertigungsreihenfolge vor, um den Engpass zu vermeiden oder zumindest zu minimieren.

Erfolgsfaktoren für die Integration von KI ist eine sehr gute Datenqualität sowie eine stabile IT-Infrastruktur.

 

Visualisierung und Kommunikation

Die beste Kennzahl entfaltet nur dann ihre volle Wirkung, wenn sie von den Mitarbeitenden verstanden und beachtet wird. Entscheidende Erfolgsfaktoren sind hier eine ansprechende grafische Darstellung statt trockener Zahlenkolonnen, eine intuitive Farbkodierung zur schnellen Identifikation kritischer Werte sowie regelmäßige Besprechungen direkt am Shopfloor zur gemeinsamen Auswertung und Maßnahmenableitung. Die aktive Beteiligung der Mitarbeitenden an der Entwicklung von Kennzahlen steigert dabei deutlich die Akzeptanz und Motivation.

KI-Systeme können diesen Prozess wertvoll unterstützen, indem sie automatisch die wichtigsten Abweichungen hervorheben und komplexe Zusammenhänge in leicht verständlichen Visualisierungen darstellen. Diese intelligenten Auswertungen reduzieren den Interpretationsaufwand und ermöglichen es den Teams, sich auf die wesentlichen Handlungsfelder zu konzentrieren.

 

Erfolgsfaktor Mensch

Trotz aller technologischen Fortschritte bleibt der Mensch der entscheidende Erfolgsfaktor im Produktionscontrolling. Technik und KI sind letztlich nur so gut wie die Menschen, die sie nutzen und interpretieren. Ein gelebtes Produktionscontrolling im Shopfloor basiert auf Transparenz, offener Kommunikation und aktiver Beteiligung aller Ebenen. Dazu gehört, Kennzahlen verständlich zu erklären und ihren Bezug zur täglichen Arbeit deutlich zu machen.

Die Einbeziehung der Mitarbeitenden in Zielvereinbarungsprozesse schafft Identifikation, während die sichtbare Darstellung von Erfolgen die Motivation stärkt. Gezielte Weiterbildungen im Umgang mit Daten und Kennzahlen befähigen die Teams, die Informationen richtig zu interpretieren und eigenverantwortlich zu handeln.

Ein gut eingeführtes und gelebtes Kennzahlensystem bewirkt somit weit mehr als nur Effizienzsteigerungen - es stärkt die Eigenverantwortung der Teams, fördert das Verständnis für übergreifende Zusammenhänge und schafft eine Kultur der kontinuierlichen Verbesserung. In dieser Kombination aus klaren Kennzahlen, intelligenter Technologie und engagierten Mitarbeitern entfaltet das Produktionscontrolling seine volle Wirkung als zentraler Erfolgsfaktor für moderne Produktionsunternehmen.

 

Quellen:

  • Eigene Seminarunterlagen, Wolfgang Hilpert
  • VDI Richtlinie 5600 „Fertigungsmanagementsysteme“
  • Literatur: Schuh, G., Stich, V. (Hrsg.): Produktionsplanung und -steuerung, Springer Vieweg, 2020

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Über den Autor

Dipl.-Ing Wolfgang Hilpert hat über 20 Jahre Industrieerfahrung u. A. bei Diehl Ako, ein großer, weltweit tätiger Zulieferer der Hausgeräteindustrie. Hier hat er langjährige Führungserfahrung in der Steuerung von kom­plexen Logistiknetz­werken als Customer Supply Manager (Operativ verantwortlich für die tägliche Belieferung vieler Kunden, bei einigen Produk­tionswerken und vielen Lieferanten). Ebenso hat er umfangreiche Erfahrung im Aufbau und Optimieren solcher Netzwerke mit passenden Methoden, Werkzeugen und Prozessen als Leiter Supply Chain Center Europa. Im Zuge dieser Funktionen hat Herr Hilpert intensive und umfang­reiche Erfahrungen mit Kennzahlen gesammelt. Zudem beschäftigt er sich als Lehrbeauftragter der FH Vorarlberg mit der Systematik von Kennzahlensystemen im gesamten Produktions- und Logistikumfeld. Für die T&O Unternehmensberatung hält er eine Vielzahl von Seminaren in Produktion und Logistik.

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