Building Information Modelling (BIM) und seine Werkzeuge - der Versuch einer Bewertung

Building Information Modelling (BIM) treibt die Digitalisierung der Wertschöpfungskette im Wirtschaftssektor Bauwesen. Bald werden fast alle Prozesse zum Planen, Bauen und Betreiben von Bauwerken und Liegenschaften sich nach BIM Standards ausrichten. Es ist an der Zeit, einige Qualitätskriterien zu diskutieren.

Vor fünf Jahren beschlossen wir in unserer Ingenieurfirma für Gebäudetechnik, BIM übergreifend und in allen Planungsprozessen einzuführen. Die (damals) „entwaffnende“ Antwort eines unserer Kollegen darauf: „Wo ist ein BIM-Werkzeug? Gebt es mir und ich mache es!“ Seitdem versuchen wir, Werkzeuge hinsichtlich Ihrer Tauglichkeit für BIM Prozesse zu bewerten. Aus diesen Bemühungen heraus hat sich das nachfolgend geschilderte Konformitätsschema entwickelt.

Welche Werkzeuge sind technisch BIM konform?

Erste Hilfestellung oder gar klare Antworten auf diese Frage finden sich im Stufenplan des Bundesministeriums für digitale Infrastruktur, in den öffentlich zugänglichen, englischen BIM-Richtlinien der PAS-1192-Reihe und in der Geschichte des Internets:

  • „ … In der Ausschreibung sind herstellerneutrale Datenformate zu fordern, um den Datenaustausch zu ermöglichen ... “ und „ … Zudem muss die Vergabe diskriminierungsfrei sein. Bestimmte Softwareprodukte dürfen nicht vorgegeben werden ….“ - Stufenplan des BMVI in seiner Kurzfassung vom Dezember 2015, S. 9, Kap. Daten 4.1)
  • „ .. The fundamental principles of (BIM) Level 2 information modelling are information models …. using one of the following combinations of enabling tools: 1) discipline-based software with individual proprietary databases and associated design analysis software…” - PAS1192-2 A13, UK BIM Task Group, Fundamental principles for Level 2 Information Modelling, Page IX Part G
  •  “ … (Tim Berners-Lee and Robert Cailliau) published a more formal proposal on 12 November 1990 to build a ’Hypertext project’ called ‘WorldWideWeb’ as a ‘web’ of ‘hypertext documents’ to be viewed by ‘browsers’ using a client–server architecture.” - English Wikipedia on WWW, May 2016 and Berners-Lee, Tim; Cailliau, Robert "WorldWideWeb: Proposal for a HyperText Project” - 12 November 1990]

Reihen wir diese Zitate entsprechend ihrer historischen Abfolge und betrachten ihre Komponenten als modular:

  1. Client-Server Architektur – Dahinter verbirgt sich die Forderung nach eindeutigen Datenquellen. Nicht mehr verschiedene Versionen eines Dokuments sollen im „Umlauf“ sein. Jeder Beteiligte bezieht auf die eine „Quelle“ des Servers. Dort wird der letzte Bearbeitungstand jederzeit vorgehalten.
  2. Online und Ontime – Der Informationsstand ist jederzeit online und damit immer aktuell. Voraussetzung ist das Internet als Open Source und diskriminierungsfreies Übertragungsmedium. 
  3. Webbrowser sind die Nutzeroberfläche, mit der der BIM Beteiligte auf das Modell zugreift. Damit werden proprietäre Abhängigkeiten vermieden. HTML 5 wird die klassischen „Apps“ und die Applikationen ablösen.
  4. Datenbanken gewährleisten durch ihre modulare Prozessstruktur die Konsistenz der Daten und eine jederzeitige fehlerfreie Zugriffsmöglichkeit. 
  5. Objektorientierung der Datenstrukturen ist notwendig um die realen Verhältnisse „auf dem Bau“ wieder zugeben. Hier ist die technische Entwicklung in voller Fahrt (siehe NoSQL-Datenbanken) – getrieben durch andere Wirtschaftszweige wie Social Media
  6. Copyleft ist vielleicht die radikalste Konformitäts-Forderung. Aber das „Web“ macht es uns vor. Wer hätte Google eine solche Wirtschaftsmacht vor zehn Jahren zugetraut?

Tabellarische Auflistung der sechs postulierten technischen Konformitätskriterien für BIM Werkzeuge.

Wann sind unsere Werkzeuge technisch BIM konform?

Die obigen Konformitätskriterien sind ein erstes Postulat, begründet auch auf Erfahrungen in benachbarten Wirtschaftszweigen. Noch nicht alle Kriterien scheinen derzeit technisch erfüllbar. Manche mögen auch dem Zeitgenossen zu radikal klingen. Wo stehen wir heute? Welche Werkzeuge gibt es bereits? Machen wir den Versuch, einige uns heute bekannte Werkzeuge in dieses Schema einzuordnen. Dabei vergeben wir gleichzeitig neue Namen für Systeme.

Resümee

Die obige Tabelle ist – wie gesagt – ein Versuch. Er erhebt weder Anspruch auf Vollständigkeit noch absoluter Korrektheit. Er soll eine Orientierungshilfe sein in einer Zeit, in der oftmals mit Worten Tatsachen verschleiert werden. Er soll helfen, dass wir alle die gleiche Sprache sprechen.

Darüber hinaus findet sich in der obigen Tabelle noch eine leere Zeile. Denn es wird Werkzeuge geben, die uns heute noch nicht zur Verfügung stehen. Das ist zwar eine Binsenwahrheit, aber trotzdem manchmal nicht einfach zu akzeptieren. Helfen wir uns.

Ein Artikel von:

Dr. Volker Krieger, Head Lab Planning, BIM Implementation, Export, Fact GmbH / TMM Group, Boeblingen